Moralfrage: Laufen oder Arbeiten?

21. April 2024 •

Liebes Trail Magazin, ich bin Mitglied in einem Lauftreff, den wir inzwischen zu einem eingetragenen Verein umgewandelt haben. Seit 15 Jahren veranstalten wir einen Halbmarathon und seit fünf Jahren auch einen eigenen Trail-Wettbewerb. Die Organisation stemmen wir komplett ehrenamtlich, alle Mitglieder helfen da toll mit. Da mir persönlich meine Wettkämpfe gerade nach diesen beiden komischen Jahren wirklich fehlen und ich mir bei diesem Heimrennen sogar Siegchancen einräume, würde ich in diesem Sommer gerne einmal selbst an der Startlinie und nicht an der Strecke stehen. Auch wenn ich, als der Mann an der Zeitmessung, womöglich nur durch eine professionelle Zeitnahme zu ersetzen wäre. Wobei ich sogar bereit wäre, einen Teil der Kosten aus eigener Tasche zu zahlen. Zudem warnt meine Lebensgefährtin, dass es arrogant rüberkommen könnte, gerade vor der eigenen Haustür den „großen Läufer“ zu markieren. Das Letzte, was ich möchte, wäre arrogant zu wirken. Tue ich das? Sportliche Grüße Luis K.
Lieber Luis,
zunächst einmal Gratulation zur guten Form und auch dazu, dass du ein Teil einer Gemeinschaft bist, die so etwas Schönes, wie eine Laufveranstaltung auf die Beine bekommen. Neben all den großen Rennen, sind es doch die kleinen Wettkämpfe aus den Clubs und Vereinen heraus, die uns besonders viel Spaß machen. Ich kann es übrigens gut verstehen, dass du nun endlich einmal selbst beim Heimrennen mitmachen möchtest – ob mit Siegchancen oder einfach nur so, ist dabei vollkommen egal.
Dass euer Vorstand ein Startverbot für alle Mitglieder zum Absolut macht, mag zwar für die Organisation des Events unabdingbar sein, aber nach einigen Jahren fliegt einem so eine Entscheidung dann gerne mal um die Ohren. Immer wenn Menschen, die selbst gerne laufen ein Rennen veranstalten, wird irgendwann die Begierde selbst daran teilzunehmen so groß, dass man sich innerhalb der Gemeinschaft hier etwas einfallen lassen sollte. Keine Lösung – das sag ich dir ganz direkt, ist es, dass du für dich selbst einen Ersatz von ausserhalb eures Vereins suchst und diesen bezahlst. Das wär übegriffig, würde die Idee und den Grundsatz eures ganzen Tuns angreifen. Es muss eine Lösung innerhalb und aus der Gemeinschaft entstehen. Von anderen Vereinen, die Laufwettbewerbe durchführen, weiß ich, dass sie sich abwechseln. Das heißt – jede:r kann alle 3-4 Jahre einmal beim Wettkampf selbst starten. Nun schreibst du, dass deine Funktion in der Start/Zieltechnik quasi unersetzlich ist. Schwierig, denn wie wir alle wissen, sind wir irgendwie doch alle austauschbar.
Ich bin mir sicher, dass mit der nötigen Hilfe, Zeit und Vorbereitung auch jemand anderes aus eurem Club deine Aufgaben übernehmen könnte.
von Clemens Niedenthal

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