Lass uns über Einlagen reden!

1. April 2024 •

Einlagen gelten noch gerne als Krücke für Läufer*innen, die schon im Gehen Schmerzen haben. Der Orthopädietechniker Stefan Woltring hat dem etwas entgegenzusetzen: sensomotorische Einlagen, die die Fußmuskulatur stimulieren anstatt bloß statisch zu stützen. Ein Gespräch mit Hand und vor allem Fuß.
Interview mit Stefan Woltring / motioncheck.de
Stefan, wir werden nun über Einlagen reden. Können also alle Leser*innen, die sich für topfit und kerngesund halten, weiterbblättern?
Jeder Mensch glaubt ja zunächst einmal, er kann laufen. Dabei kann man beim Laufen genauso viel falsch machen wie in jeder Ballsportart oder in jeder technischen Sportart. Nur dass uns das Laufen so natürlich ist, dass wir es nicht groß hinterfragen.
Nun haben viele irgendwann einmal Einlagen verschrieben bekommen und denken seitdem: nie wieder.
Tatsächlich lastet dieses Image noch immer so schwer wie es diese steifen Einlagen waren. Zeitgemäße Einagen werden aber im CAD-Verfahren aus einem sehr flexiblen Schaum gefräst und nicht mehr von einem Gipsabdruck abgeformt, damit fängt es schon mal an. Zudem reden wir hier von Sporteinlagen, die den Fuß fördern sollen und nicht bloß statisch stützen. Natürlich kann es aber Eingewöhnungsphasen geben, wir setzen Druck auf den Sehnenapparat, um gewisse Reize auf die Muskulatur zu geben, das kann schon eine gewisse Eingewöhnung brauchen.
Also: Wie funktioniert so eine sensomotorische Einlage?
Es werden Nervenrezeptoren stimuliert, die im Bereich der Muskeln und Sehnen stecken, sogar in der Haut. So kann etwa die Muskelspannung erhöht oder auch vermindert werden, der Fuß wird also aktiv dazu gebracht, Fehlstellungen zu korrigieren. Das kann sowohl die Leistungsfähigkeit erhöhen als auch Verletzungen vorbeugen.
Ich könnte da ein hilfreiches Beispiel aus meiner eigenen Sportlerbiografie nennen.
Nur zu.
Nach einem Fahrradunfall war ich ziemlich verletzungsanfällig. In einer Bewegungsanalyse wollte dann ein Trainer, dass ich einen bestimmten Muskel in der Hüfte anspanne – mein Körper wusste nur überhaupt nicht, wie das geht. Er hatte diesen Muskel quasi vergessen. Darum geht es bei sensomotorischen Einlagen: solches Potenzial zu wecken. 
Manchmal schlüpfe ich in einen Testschuh und denke: Mensch, ist der im Vorfuß weich. Dann ziehe ich den zweiten Schuh an und merke: Links fühlt es sich ganz anders an. Wäre so was schon ein Indiz für eine notwenige Einlage?
Niemand funktioniert symmetrisch, wir haben alle ein Standbein und ein Spielbein, haben in einem Fuß oder einer Körperhälfte mehr Kraft oder mehr Beweglichkeit. Unsere Schokoladenseite gibt es also tatsächlich. Wenn ich jedoch in einem bestimmen Schuh super gerne laufe, aber in einem Fuß regelmäßig eine Sehne gereizt wird oder das Knie schmerzt, könnte das ein Indiz sein. Aber eine Einlage bleibt immer Teil eines ganzheitlichen therapeutischen Konzepts, zu dem genauso Athletiktraining oder eine physiotherapeutische Betreuung gehören.
Die Einlage ist also kein Allheilrezept?
Wir hatten im Mai eine Läuferin bei uns in der Analyse, von der ich nicht gedacht hätte, dass die in drei Monaten wieder laufen wird, schon gar nicht den Transalpine Run. Sie hat es geschafft, mit sensomotorischen Einlagen – und mit einem intensiven Trainings- und Physioprogramm.
von Denis Wischniewski

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