Zusammen ist man weniger allein

5. September 2025 •

Die PRO TRAILRUNNERS ASSOCIATION ist die Interessenvertretung der Beruf-Trailrunners – es geht aber um viel mehr ...

Von: Elise Poncet

Trailrunning stand nie still. Das liegt quasi in der Natur dieser Bewegungssportart. In den vergangenen fünf Jahren aber hat sich der Sport rasant weiterentwickelt. So gab es die berechtigte Sorge, Trailrunning könnte seine spezifische Geisteshaltung, sein Mindset verlieren: Trailrunner:innen kämpfen nicht gegen andere, wir kämpfen immer gegen uns selbst. Wir nutzen andere, um über uns hinauszuwachsen, im Geiste gegenseitigen Fairplays.

Trailrunning ist weder national noch international strukturiert und unterliegt keinem Verband, zumindest gibt es in keinem Land Verbände, die das Geschehen auf dem Trail hegemonial bestimmen. Letztendlich dominieren private und privatwirtschaftliche Akteure wie Veranstalter und Sportartikelhersteller die Regeln unseres Sports.
Vom Vertical K bis zur Ultradistanz lässt sich Trailrunning zudem nicht auf eine Disziplin, auf eine Herausforderung reduzieren. Es ist eine der wenigen Sportarten, bei denen es schwierig ist, den Besten und die Beste zu bestimmen, da es weltweit so viele verschiedene Rennformate und auch Rennphilosophien gibt. In Frankreich beispielsweise, dem Land mit den meisten Veranstaltungen, finden jährlich beinahe 4000 Wettbewerbe statt. Der UTMB mit seinen unterschiedlichen Distanzen und den Satellitenläufen der UTMB World Series, die Golden Trail Series, Welt- und Europameisterschaften, der World Mountain Running Cup, die Skyrunning Series, Läufe unter dem Spartan-Label … Wie lässt sich das verstehen?

Profis nicht um jeden Preis
Diese Entwicklung hängt offensichtlich eng mit den enormen Investitionen privater Akteure zusammen, die zu einer Professionalisierung des Trailrunnings mit all seinen positiven wie negativen Begleiterscheinungen führen. Um eine ähnliche Entwicklung wie beim Mountainbiken und Skibergsteigen zu verhindern, haben sich einige Athlet:innen entschlossen, aktiv zu werden und eine eigene Interessensvertretung ins Leben zu rufen. Denn auch wenn dieser Trend für ambitionierte Läufer:innen eine Chance zur Professionalisierung darstellt – so sollte dies nicht um jeden Preis geschehen.
Wenn man etwas liebt, kämpft man für seine Überzeugungen. Genau diesen Kampf haben Francesco Puppi, Pascal Egli und Kilian Jornet gewählt, als sie 2022 den Verein PTRA, die Pro Trailrunnrers Association, gegründet haben, verbunden mit einem Aufruf, eine Kommerzialisierung des Sports kritisch zu begleiten. „In einer Gemeinschaft wie der PTRA ist es möglich, etwas zu bewegen und für unsere Rechte zu kämpfen“, sagt Francesco Puppi. „Uns geht es darum, die Identität unseres Sports zu bewahren und ihm eine gewisse Struktur zu geben. Wir sind nicht gegen eine Weiterentwicklung, aber wir wollen, dass für alle Beteiligten im Trailrunning weiterhin faire Bedingungen gelten.“
Es stimmt schon, Trailrunning ist ein wachsendes Geschäft. Der Kuchen wird größer und jeder will ein Stück davon. Das verschärft Ungerechtigkeiten, Diskrepanzen – und manchmal auch Diskriminierung.
Noch einmal Francesco Puppi: „Die Mission der Pro Trail Runners Association ist es, Athlet:innen dabei zu unterstützen, Gehör zu finden und die Zukunft des Trailrunnings und seines ökonomischen wie gesellschaftlichen Umfelds mitzugestalten. Wir wollen außerdem die körperliche und geistige Gesundheit der Athlet:innen sowie die Fairness und Nachhaltigkeit von Wettkämpfen schützen. Wir wollen die Rechte der Athlet:innen schützen, insbesondere in Situationen, die Verträge, Verletzungen, die Gesundheit und die Medienarbeit betreffen.“
Der Verband hat inzwischen bereits gut 260 Mitglieder. Ein Indiz dafür, dass auch die Weltspitze der Trailläufer:innen erkennt, dass man in der Breite mehr erreichen kann.

Die Organisation der PTRA
Ziel des Verbandes ist es, dank einer dynamischen Struktur, bestehend aus einer jährlichen Mitgliederversammlung und einem Vorstand, so effizient wie möglich zu arbeiten. Zum Vorstand gehört auch der Generalsekretär Albert Jorquera, der in ständigem Kontakt mit den Athlet:innen steht. Alle Entscheidungen und Initiativen der PTRA werden durch ein Mitgliedervotum entschieden. Der Vorstand entwickelt entsprechende Strategien und richtet anschließend Arbeitsgruppen ein, um konkrete Maßnahmen umzusetzen. Aktuell gibt es dabei folgende Arbeitsgruppen:
Umwelt , Wettkämpfe , Anti-Doping , Gleichstellung
Der Verband organisiert außerdem Webinare mit Fachreferent:innen zu den einzelnen Themen. Ein kürzlich abgehaltenes Webinar zu umweltpolitischen Fragen wurde von Hillary Gerardi organisiert und von Christelle Bakhache, Leiterin der Abteilung „Sport und Natur“ bei ASTERS, einem Naturschutzgebiet im französischen Département Haute Savoie, moderiert. Dort liegt auch Chamonix und damit große Teile der UTMB-Strecke. Christelle Bakhache arbeitet eng mit den Organisationen UTMB und Mont-Blanc-Marathon zusammen, um die Strecken zu entwickeln und Konzepte für eine für die Flora und Fauna der Region weniger immersive Veranstaltung auszuhandeln.
Seit der Gründung der PTRA wurden bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt. Francesco Puppi erklärt: „Wir sind stolz darauf, in den vergangenen zwei Jahren wirklich konkrete Maßnahmen umgesetzt zu haben. Vor allem fühlen wir uns von den verschiedenen beteiligten Akteuren zunehmend gehört und ernst genommen. So haben wir beispielsweise mit dem UTMB zusammengearbeitet, um das Quartz-Programm, eine private Gesundheitsagentur, durch die WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) zu ersetzen. Die WADA ist die Anti-Doping-Institution für alle etwa im Internationalen Leichtathletikverband vertretenen Sportarten.“ Der Kampf gegen das Doping, er wird von der PTRA offensichtlich entschlossener geführt als von manch einem Rennveranstalter.

Die Natur des Trailrunnings
Die Gruppe Umwelt arbeitete mehr als ein Jahr lang an der Entwicklung eines Dokuments mit dem programmatischen Titel „Umweltethische Grenzen für Trailrunning-Wettbewerbe“. Dabei, so Puppi, sei es nicht das Ziel, das Wachstum des Sports zu verhindern, sondern umgekehrt auch die nun größere Aufmerksamkeit für den Sport für positive Entwicklungen zu nutzen. Etwa das Zugeständnis von Veranstaltern, die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unterstützen.
Auch die kürzlich von einem Kollektiv von Läuferinnen in den USA ins Leben gerufene Kampagne „Here for the womens race“ zielt darauf ab, den hegemonialen und eben oft männlichen Blick auf Trailrunning infrage zu stellen. Durch den Verkauf von T-Shirts mit dem gleichnamigen Logo werden Spenden gesammelt, um inspirierende Geschichten von Sportlerinnen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – bekannt zu machen.
Alle Athlet:innen des gemeinnützigen Vereins PTRA arbeiten ehrenamtlich. „Um diesen Kampf weiterführen und weitere Aktionen organisieren zu können, brauchen wir eine bessere finanzielle Situation und mehr Stabilität, um Zeit dafür aufbringen zu können“, gesteht Francesco Puppi, der derzeit seine eigene Trainings- und Regenerationszeit reduziert, um sich der Pro Trailrunners Association zu widmen. Neben vereinzelten Spenden und dem noch ausbaufähigen Engagement von Veranstaltern oder Sportartikelherstellern für die PTRA braucht es also – noch mehr Mitglieder. Wer nun den Wunsch verspürt, eine positive, gemeinschaftliche Zukunft unseres Sports auch diesseits der Podiumsplätze mitzugestalten, kann sich auf der Webseite der PTRA umsehen: www.trailrunners.run

von admin

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