Warum Everesting Grenzen verschiebt – und erstaunlich viel Spaß macht
Everesting. Klingt zunächst wie eine dieser verrückten Ideen aus dem Internet, die man kurz googelt, einmal den Kopf schüttelt und dann wieder vergisst.
Dabei ist das Prinzip erstaunlich schlicht: Man sucht sich einen Berg. Oder einen Hügel. Oder eine Rampe, die gerade hoch genug ist, um Höhenmeter zu sammeln. Dann läuft man hinauf. Wieder hinunter. Und wieder hinauf. Und wieder hinunter. So lange, bis am Ende 8848 Höhenmeter auf der Uhr stehen – genau so viel wie der höchste Berg der Welt misst, der Mount Everest.
Der Clou: Man muss dafür nicht in den Himalaya reisen.
Ein Anstieg reicht. Einer, den man immer wieder läuft. Manche nehmen eine Skipiste. Andere eine Forststraße. Wieder andere – und das ist die komfortablere Variante – laufen nur nach oben und lassen sich nach unten mit der Gondel bringen. Das wiederholt sich dann so lange, bis die Uhr schließlich die magische Zahl zeigt.
8848 Meter.
Ein ganzer Tag vergeht dabei fast zwangsläufig. Es wird dunkel. Es wird wieder hell. Man wird müde. Man isst erstaunlich viel.
Und irgendwann fragt man sich, warum man eigentlich noch weiterläuft.
Eine Idee vor dem Begriff
Ich habe das Everesting nicht erfunden.
Tatsächlich weiß ich nicht einmal genau, wer zuerst auf die Idee kam, daraus ein offizielles Format zu machen. Heute gibt es Wettbewerbe, Ranglisten, Regeln. Sogar im Radsport hat sich das Konzept etabliert.
Meine eigene Begegnung mit dieser Idee liegt länger zurück.
Es war ein Freitagmorgen im April. 4.30 Uhr. Dunkel. Dürfte 2010 gewesen sein. 16 Jahre her.
Ich stand auf einem Wanderparkplatz am Fuß des Herzogstand in den Bayerischen Voralpen.
Mein Van parkte neben der geschlossenen Talstation der Herzogstandbahn. Sonst war da niemand.
Die Idee war einfach: Für eine Magazinreportage wollte ich die Höhe des Everest laufen. Nicht irgendwo. Sondern hier.
Ein Freund begleitete mich.
Wir liefen hinauf. Wieder hinunter. Dann wieder hinauf.
Als die Bahn öffnete, kauften wir ein Tagesticket. Von da an liefen wir nur noch bergauf und ließen uns nach unten gondeln – ein Luxus, den man bei Trailrennen selten hat.
4500 Höhenmeter später, irgendwann am Nachmittag, als die letzte Talfahrt angekündigt wurde, blieb mein Begleiter stehen.
„Du, sei mir nicht böse“, sagte er. „Aber mir ist das jetzt zu blöd. Ich habe keine Lust mehr.“
Allein mit dem Berg
Also war ich plötzlich allein.
Die Touristen waren längst verschwunden. Auch die Wanderer.
Nur der Parkplatz. Der Van. Und dieser Berg.
Der Herzogstand.
Und ich musste jetzt auch wieder hinunterlaufen. Die Gondel fuhr nicht mehr.
Im Restschnee rutschend, fluchend, dachte ich darüber nach, wie angenehm diese Gondelfahrten eigentlich gewesen waren.
Bei 7000 Höhenmetern war der Spaß endgültig vorbei.
Es ging nur noch um Ehrgeiz.
Ich starrte auf meine Uhr – eine Suunto Ambit. Damals eine der wenigen Uhren, die überhaupt Höhenmeter halbwegs zuverlässig zählen konnte.
7456 Meter.
20 Stunden.
22 Stunden.
Für die Geschichte brauchte ich diese Zahl.
Kurz nach drei Uhr morgens erschien sie schließlich auf dem Display.
Bevor es Instagram gab
Heute würde so etwas vermutlich live verfolgt werden.
Strava-Segmente. Instagram-Stories. GPS-Tracking. Kommentare.
Damals gab es das alles noch nicht.
Kein Strava.
Kein Instagram.
Niemand nahm Notiz von diesem kleinen Husarenritt, bis das gedruckte Magazin 14 Tage später erschien.
Heute ist Everesting ein kleines Massenphänomen geworden.
Die Magie der Wiederholung
Das Merkwürdige an Everesting ist: Es lebt von der Eintönigkeit.
Man läuft immer wieder denselben Weg. Dieselben Kurven. Dieselben Steine. Dieselben Bäume.
Und doch verändert sich alles.
Das Licht.
Die Temperatur.
Die Müdigkeit im Körper.
Ein Weg, den man am Morgen noch locker hinaufläuft, wird am Abend plötzlich zu einer Prüfung.
Die Wiederholung macht den Berg nicht kleiner.
Sie macht nur die Wahrnehmung größer.
Ein Wettkampf mit sich selbst
Vielleicht liegt darin auch der Reiz.
Anders als bei einem klassischen Trailrennen – etwa beim Ultra-Trail du Mont-Blanc – läuft man nicht ständig gegen andere. Man läuft gegen etwas viel Stärkeres.
Die eigene Müdigkeit.
Everesting ist seltsam privat. Man kann es allein machen. Oder mit Freunden. Man kann reden, schweigen, sich anschließen, wieder lösen.
Von Anstieg zu Anstieg entscheidet man neu.
Wie viel Wettbewerb das Ganze am Ende ist, hängt vom Berg ab – und von der eigenen Stimmung.
Everesting kann Training sein.
Oder ein soziales Experiment.
Oder ein ernsthafter Wettkampf mit Zeiten und Platzierungen.
Aber manchmal ist es einfach nur das:
Ein Berg.
Ein Weg nach oben.
Und die Frage, wie oft man ihn noch gehen möchte.
TIPP: Mach beim GaPa Everesting Festival mit und erlebe echtes EVERESTING alleine oder im Team!
Premiere am Eckbauer: Das GaPa Everesting Festival
Am 8. und 9. Mai 2026 feiert das GaPa Everesting Festival am Eckbauer in Garmisch-Partenkirchen seine erste öffentliche Ausgabe. Nach einem internen Pilotprojekt im Jahr 2025 öffnet sich das Format nun erstmals für die Trailrunning-Community. Die Teilnehmerzahl ist auf 300 Startplätze begrenzt.
Im Zentrum steht das international bekannte Everesting-Prinzip: Wer teilnimmt, sammelt durch wiederholte Aufstiege insgesamt 8.848 Höhenmeter – die Höhe des Mount Everest. Am Eckbauer geschieht das in 18 Runden. Nach einer verkürzten ersten Runde führen die folgenden Anstiege jeweils über 3,3 Kilometer und 503 Höhenmeter, sodass sich am Ende 59,4 Kilometer summieren.
Der Kurs ist bewusst schlicht gehalten. Bergauf führt ein breiter, gut laufbarer Weg mit Platz zum Überholen. Ins Tal bringt die Eckbauerbahn die Läuferinnen und Läufer in wenigen Minuten zurück zum Start. Gewertet wird allein die Zeit des Aufstiegs – Pausen eingeschlossen, die Gondelfahrt nicht.
Der Ort ist bewusst gewählt. Garmisch-Partenkirchen steht seit Jahren für alpinen Laufsport, für Nähe zu den Bergen und für eine lebendige Community. Genau hier will das Festival ansetzen: reduziert im Konzept, klar im Rhythmus – viele Aufstiege, derselbe Berg, immer wieder.
Gestartet wird in drei Formaten: Solo, 2er-Staffel und 3er-Staffel. Doch jenseits der Zahlen geht es um etwas anderes: um Ausdauer, um Wiederholung, um das stille Einverständnis vieler Menschen, denselben Berg immer wieder hinaufzulaufen.
Ausrüstung GaPa Everesting Festival
Direkt am Körper (Das „Light“-Setup)
Du läufst “befreit” bergauf, da das schwere Gepäck direkt an der Station auf dich wartet 🙂.
- Laufbekleidung: Funktionale Schichten, die du direkt am Körper trägst und die dem aktuellen Wetterbericht entsprechen.
- Trailschuhe: Modelle mit leichtem Profil sind ideal für den Untergrund.
- Laufweste oder Laufgürtel: Ein kompaktes System für das Nötigste reicht aus.
- Flüssigkeit: Ein 0,5 Liter Reservoir sorgt für die Versorgung zwischen den Stationen.
- Wetterschutz: Eine winddichte und wasserabweisende Jacke hast du für alle Fälle griffbereit.
- Stöcke: Diese unterstützen dich bei den Höhenmetern (wärmstens empfohlen).
- Sicherheit: Eine Rettungsdecke gehört als Standard in deine Weste.
Im Dropbag (Station Eckbauer Bergstation)
Da du den Beutel für die Talfahrt in die Gondel mitnehmen kannst, ist der Zugriff bei jeder Runde garantiert.
- Pflichtausrüstung: Hier lagerst du alles, was das Reglement für den Notfall oder extreme Wetterumschwünge vorschreibt.
- Wechselkleidung: Trockene Shirts und Socken für die Pausen oder den späteren Verlauf.
- Zusatzverpflegung: Spezifische Gels, Riegel oder Elektrolyte, die dich über die Distanz bringen.
- Warme Schicht: Eine zusätzliche Isolationsschicht für die Momente, in denen der Puls sinkt. (z.B. die Talfahrt mit der Gondel 🙂)